TRENDS IM LAUFSPORT
»Community ist das Schlagwort«

JÜRGEN LOCK, Geschäftsführer des Laufveranstalters SCC EVENTS GmbH, über die Leichtathletik-Europameisterschaften, Trends im Laufsport und Joggen am Gleisdreieck

In ihren Büros im Olympiapark plant und koordiniert die SCC EVENTS GmbH große und auch spezielle Lauf- und Sportveranstaltungen. Der Marathon im September gehört zu den renommiertesten Wettbewerben weltweit, garniert von zahlreichen Events in Berlin und Brandenburg. Andreas Mühl sprach mit Jürgen Lock.
Spirit Yoga
Herr Lock, im August kommen die Leichtathletik-Europameisterschaften nach Berlin. Wie sind Sie als SCC involviert?
Wir werden analog zur Weltmeisterschaft 2009 wieder die Marathon- und Geher-Wettbewerbe mitorganisieren. Darüber hinaus plant unsere medizinische Abteilung seit 2017 die komplette medizinische Versorgung der Leichtathletik-EM 2018.

Mit Urban Running haben wir diesem Magazin einen Titel gegeben, der einen Trend aufnimmt. Spüren Sie Veränderungen im Laufverhalten?

Diversität beim Ausüben von Laufsport können wir seit einigen Jahren erkennen. Neben den klassischen Leichtathletikvereinen organisieren sich viele Sportler selbstständig und nehmen vermehrt den urbanen Raum mit Parks und Straßen in Beschlag. Gerade der Zeitfaktor spielt bei vielen mehr und mehr eine Rolle. Laufen kann unkompliziert überall ausgeübt werden und ist ein effizientes Fitnesstraining.

JÜRGEN LOCK

Geboren 1967 in Ulm. Studium der Sportwissenschaft in Tübingen. Tätigkeiten im Gesundheitsmanagement und Sportmedizinischen Service. Assitant Medical Direktor Leichtathletik- WM 2009 Berlin. 2003 Direktor für Strategie und Planung SCC Events. Ab 2009 Geschäftsführer SCC Events. Sportvorlieben: Golf, Tennis, Ski und Laufen. Ziel 2018: Vierte Teilnahme am New York Marathon.

Gibt es Verbesserungspotenzial?

Häufig hören wir, dass zu wenig an gelenkschonenden Belägen wie Rindenmulch-Bahnen angelegt sind. Schaut man auf den kleinen Rundkurs im Jahn Sportpark, tummeln sich da abends Hunderte auf einer kleinen Rindenmulch-Bahn oder laufen unter Flutlicht auf diesem Gelände. Wohnortnaher Sport spielt zunehmend eine wichtige Rolle, auch bei der Entwicklung einer Sportinfrastruktur, die teilweise in den Bezirken fehlt. Auch geht ein Trend zum Multisport. Es gibt immer weniger den klassischen Läufertypus. Beim Multisport gehören Laufen und Joggen dazu – aber nicht ausschließlich. Die heute 20- bis 50-Jährigen haben eine deutlich veränderte Sportwahrnehmung und andere Ansprüche an Organisationsstruktur und Flexibilität.

Berlin ist Deutschlands Läufer-Hauptstadt. Was macht Laufen in der Spreemetropole aus?
Berlin ist schon immer eine Laufstadt. Nicht nur weil hier einer der bedeutendsten Läufe, der BMW BERLIN-MARATHON, stattfindet. Laufen gehört zum Lifestyle. Und wir haben viele Jahre daran gearbeitet, das Laufen attraktiv zu machen indem wir es erlebbar machen. Als wir mit der damaligen SFB Laufbewegung angefangen haben, sind 300 Menschen auf einen Schlag im Tiergarten gewesen. Wir waren mit tollen Coaches Samstag für Samstag mit dem Konzept »für jedes Leistungsniveau ist eine Gruppe da« erfolgreich. Damals waren Vertreter wie John Kunkeler oder Franz Feddema Mitbegründer einer urbanen Laufbewegung. Heute wird das nur anders und »hiper« präsentiert, indem sich Laufcommunities gebildet haben und die sozialen Netzwerke anders genutzt werden. Heute sind es Sportartikelfirmen oder private Anbieter, die Läuferzielgruppen ansprechen. Wir als SCC werden jedoch wie auch andere Vereine mit nachhaltigen Konzepten dieses Feld weiter bedienen.

SCC EVENTS

Gesellschafter der SCC EVENTS GmbH mit 60 Mitarbeitern ist der Sport- Club Charlottenburg e.V., Geschäftsführer Jürgen Lock und Christian Jost. 1902 gegründet, gehört der Club mit mehr als 7000 Mitgliedern zu den größten Berliner Sportvereinen. Das Leichtathletikressort, aus dem 1974 unter anderem der heutige BMW BERLIN-MARATHON aufgebaut wurde, ist mit 1300 Mitgliedern stärkste Abteilung im Berliner Leichtathletik-Verband.
www.scc-events.com

Durch die Stadt joggen über Beton, Pflaster und natürlich durch Parks zu jeder Tages- und Nachtzeit – was kommt noch auf uns zu?

Neue Laufformate werden kommen. Die Digitalisierung wird auch im Laufsport vorangehen. Man verabredet sich, stellt seine Laufkilometer online, vergleicht sich in digitalen Netzwerken. Fitness und workouts sind klare Indikatoren von Leistung. Wir erkennen gerade bei jüngeren Läufern wieder einen Performance-Gedanken: Man will besser werden und es gilt als Statussymbol, fit zu sein. Im Stadtbild sehen wir Rucksackläufer, diese joggen oder rennen zur Arbeit oder wieder zurück mit der Business-Kleidung im Rucksack. Vermehrt hören wir, dass Firmen passende Strukturen wie Duschen anbieten. Viele bauen Bewegung in den Alltag ein.

Als Veranstalter mit internationalem Publikum wissen Sie, wie andere Metropolen agieren und Zukunft planen. Was für Trends zeichnen sich ab?
Multisportangebote, bei denen Laufen ein Teil ist, werden kommen. Wenn sich, wie in New York, über ein paar Wochen Hunderte Frühsportler im Central Park treffen und dort mit Musik und Anleitung Parksport betreiben, dann sind das Elemente, die auch bei uns verstärkt kommen. Ich möchte als Läufer animiert, gecoacht und unterhalten werden. Es gibt eine neue Kultur von Sporttreiben, bei der Kreativität und Subkultur eine große Rolle spielen. Trends aus Amerika zeigen auch, dass der Frauenanteil im Laufsport immer höher wird. Das ist es eine sehr tolle Entwicklung. Klar ist, dass Abend- und Nachtläufe in einem gesicherten Umfeld und unter Anleitung zunehmen. Community ist das Schlagwort. Menschen wollen ihren Lifestyle in entsprechendem Ambiente mit Gleichgesinnten erleben. Neue Angebote gibt es besonders in New York und Asien. Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit sind dabei Kernbereiche, die neu verpackt werden. Raus aus dem Fitnesstudio, rein ins urbane Leben.
Ob Crosslauf (Foto) oder SwimRun: Die Sportszene erwartet neue Angebote.
Ob Crosslauf (Foto) oder SwimRun: Die Sportszene erwartet neue Angebote.
Es gibt Frauenläufe, Firmenläufe, Kinderläufe –welche Idee würden Sie gerne umsetzen?
Ich glaube es gibt viele Veranstalter, die das alles sehr gut umsetzen. Wir wollen Sportarten zusammenführen oder Kompaktangebote schaffen. Vor drei Jahren haben wir den SwimRun eingeführt. Wer sich mit Teilnehmern unterhält, der versteht, dass unterschiedliche Bewegungsformen, Natur und das andersartige Empfinden ein Schlüssel für Erfolg sind. Ich glaube, dass die Grundformen der Bewegung künftig anders gelesen werden und daraus neue Formate entstehen. Sicherlich auch in Bereichen, für die nicht stundenlang eine Stadt gesperrt werden muss.

Der Berlin-Marathon ist ein Selbstläufer. Aber es gibt nicht genug Startplätze. Gibt es Modelle für die Zukunft?
Ja, wir arbeiten an Modellen, aber es ist schwierig. Für uns steht Qualität vor Quantität und ich bin sicher, dass das die Teilnehmer auch schätzen. Dennoch können wir über ein Crowdmanagement-System Optimierungen vornehmen, um sukzessive 1000 bis 2000 Starter mehr ohne Qualitätsminderung und zusätzlichen Sperrzeiten anzunehmen.

Sie müssen intensiv mit Stadtverwaltungen und mit der Politik zusammenarbeiten. Haben Sie einen Wunsch?
Wir arbeiten gut zusammen. Wir würden sicherlich gerne häufiger mal bei Einschätzungen zu Sportgroßveranstaltungen in Berlin, die in Verwaltungsräumen geplant werden, gehört werden. Als internationaler Veranstalter sind wir fachlich sehr gut im Thema.

Sie sind selber Läufer. Verraten Sie uns Ihre Lieblingsstrecke?
Um das urbane Thema aufzugreifen: Ich laufe gerne am Gleisdreieck und auf dem Tempelhofer Feld, aber auch immer wieder im Grunewald.
FOTOS SCC Events

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